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"Schmeckt deutlich besser" Bio-Fisch aus der Zucht | Drucken |
Obwohl Fisch als Inbegriff für Frische und Natürlichkeit unter den Lebensmitteln gilt, kommen Karpfen, Kabeljau und Co immer seltener aus dem freien Gewässer. "Rund die Hälfte des weltweiten Fischbedarfs wird inzwischen aus Aquakulturen gedeckt", sagt Professor Volker Hilge vom Institut für Fischereiökologie in Ahrensburg. Weltweit kommen demnach 50 bis 60 Millionen Tonnen Fisch, Krebstiere und Muscheln aus Zuchtbetrieben. Immer mehr Verbraucher begegnen dieser Massenproduktion jedoch mit ähnlicher Skepsis wie der industrialisierten Landwirtschaft. Auf der Fachmesse "fish international" vom 10. bis 12. Februar in Bremen will die Branche deswegen Bio-Fisch als neuen Trend präsentieren.
Ähnlich wie in der Hochseefischerei spielt Deutschland in der Fischzucht keine nennenswerte Rolle. Maximal 15.000 Tonnen Karpfen, rund 25.000 Tonnen Forellen und je nach Witterung 15.000 Tonnen Miesmuscheln werden laut Hilge in deutschen Gewässern jährlich "angebaut". Mit einer Jahresmenge von mindestens 20 Millionen Tonnen spiele die Musik vor allem in Asien. "Dort haben Fischkulturen eine lange Tradition; außerdem wird dort viel mehr Fisch gegessen als bei uns", meint der Fischereiexperte.

Die deutsche Fischwirtschaft kann bei einer Importquote von mehr als 80 Prozent auf die Zuchtware nicht verzichten, betrachtet sie aber zugleich mit großem Misstrauen. Seit der sogenannten Nematoden-Krise Mitte der 80er Jahre ist die Branche besonders sensibel gegenüber Störungen von außen. Damals hatte der Fund kleiner Würmer (Nematoden) in frischen Fischfilets eine Ekelwelle in Deutschland ausgelöst, durch die beinahe der gesamte Wirtschaftszweig untergegangen wäre.
 
Großversorger wie der Marktführer Deutsche See aus Bremerhaven lassen deshalb die Zuchtbetriebe im In- und Ausland durch eigene Kontrolleure überwachen. Immer mehr Verbraucher erwarten jedoch über das bloße Qualitätsversprechen hinaus Garantien mit Brief und Siegel. "Fast jeder vierte Fischkonsument kauft inzwischen Bio-Fisch mit entsprechender Zertifizierung", zitiert der Produktmanager der Deutschen See, Andreas Lippmann, eine Repräsentativumfrage von TNS- Emnid.
 
Allerdings wird ausgerechnet Fisch, der unter natürlichen Bedingungen ohne jede Zusatzstoffe in freien Gewässern aufgewachsen ist, nie als Bio-Produkt auf den Markt kommen. "Bei Bio-Fisch handelt es sich ausschließlich um Zuchtprodukte", erläutert Lippmann.
 
Angefangen habe der Trend bereits in den 90er Jahren mit Bio-Lachs. Inzwischen kommen laut Lippmann auch die Sorten Pangasius, Tilapia, Kabeljau, Loup de Mer, Doraden und Bachforellen als Bio-Qualität auf den Markt. Zertifizierte Zuchtbetriebe gibt es nach seinen Angaben vor allem in Europa, Israel und Südamerika, weniger jedoch in Asien.

Bei der Aufzucht dürfen diese Betriebe nur Futtermittel aus ökologischem Anbau einsetzen; außerdem gelten strenge Maßstäbe beispielsweise für die Fischdichte in den Kulturgewässern. Vor allem sind Zusätze wie Hormone, Farbstoffe oder Medikamente verboten, die in der Vergangenheit beispielsweise Garnelen aus Vietnam den Ruf schwimmender Antibiotika-Packungen eingebracht hatten.
 
Der Trend zum Bio-Fisch hat aber offenbar bereits seine Schattenseiten: "Die großen Zertifizierer jetten durch die Welt und verteilen Gütesiegel, ohne sich um den Absatz zu kümmern", kritisiert Lippmann. In der Folge werde der Markt zeitweise mit Bio-Produkten zu Billigpreisen überschwemmt, die den höheren Aufwand in der naturnahen Produktion nicht einmal annähernd deckten.
 
Als Gegenmaßnahme zu diesen Negativentwicklungen will die Branche auf der Bremer Fischmesse nicht nur für Bio-Fisch werben, sondern auch gemeinsame Qualitätskriterien und Vorgehensweisen für die Zertifizierung diskutieren. Ein Qualitätsunterschied sei aber auch ohne Brief und Siegel zu erkennen: "Bio-Fisch schmeckt deutlich besser", meint die Köchin und Produktentwicklerin Antje de Vries: "In der gehobenen Gastronomie wird deswegen fast nur noch Bio-Fisch verwendet."
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